Navigation beim Reiten
Diese Seite soll als Anregung für Wanderreiter und Reiter dienen und zeigt, wie man außer Karte und Kompass mit modernster Technik zu Pferde navigieren kann.
Angefangen hat alles 1989, als ich meinen ersten Wanderritt gemacht habe. Dieser wurde im Elsass von Ferme Equestre Tourisme geplant und durchgeführt. Dort habe ich die ersten Grundzüge der Navigation mit Karte und Kompass gelernt. Jedoch ist mir schon damals aufgefallen, dass wir des Öfteren (unmerklich für den Tross) vom Kurs abgekommen sind und Anhaltspunkte gesucht haben, wo wir eigentlich sind. Tragisch ist das vor allem, wenn man sich ausschließlich im Wald fortbewegt, weit und breit kein Dorf ist und vor allem es noch hügelig ist und jeder Auf- und Abstieg wohl überlegt sein muss um die Kraftressourcen von Mensch und Tier einzuteilen. In den folgenden Jahren habe ich Wochenendkurse und Vorbereitungen zum Wanderreitbegleiter in Obersteinbach belegt.
Wenige Jahre später legte ich mir mein erstes Satellitennavigationsgerät, ein Garmin GPS 45, zu. Dies war "noch" ein 8 Kanal seriell Empfänger und ist mit den heutigen 12 Kanal parallel Empfänger kaum zu vergleichen. Mit diesem Gerät war es möglich, die Position mit einer Genauigkeit von ca. 25-100 m zu bestimmen (die Ungenauigkeit kam von der sog. Selective Availability, die vom Betreiber des Systems, dem amerikanischen Militär, gewollt eingeschaltet wurde, jedoch seit 2000 nicht mehr existiert. Seither ist eine Genauigkeit von 1-15 m (abhängig von den zu empfangenden Satelliten) die Regel). Diese Position konnte man dann auf die Karte übertragen. Ebenso konnte man Wegepunkte von der Karte umrechnen in GPS Koordinaten und in das NAV eingeben. So konnte man sich auch von Wegepunkt zu Wegepunkt lotsen lassen. Leider war beim GPS 45 der Empfang im Wald der große Nachteil. Eine externe Antenne zwischen den Pferdeohren platziert brachte zwar Besserung, aber keinesfalls eine 100% ige Verfügbarkeit. Aber immerhin war diese Methode um ein vielfaches sicherer, als sich nur auf Karte um Kompass zu verlassen. Auf einem Wanderritt 1997 habe ich mit dieser Methode einen Wanderritt geführt. Wer sich besser informieren möchte, was man unter GPS versteht und wie alles funktioniert, dem kann ich nur die Seiten von Ralf Schönfeld empfehlen. Er hat auf seinen Seiten wirklich alle Funktionen und Möglichkeiten erklärt und gibt zahlreiche, extrem hilfreiche, Tipps.
Nun zur Neuzeit. Heute sind vom Hause Garmin Geräte auf dem Markt, davon hat man von 10 Jahren nur geträumt. In diesem Abschnitt wird auf die Vorzüge des Garmin eTrex Vista eingegangen. Dieses Gerät hatte ich von Mai 2002 bis Januar 2004 im Einsatz und die Möglichkeiten für das Reiten in Feld, Wald und Flur sind einfach nur genial. Wie anfangs schon erwähnt, haben die neuen Geräte einen 12 Kanal Empfänger, welche die Satelliten parallel empfangen. Dies hat von Vorteil, dass die Positionsbestimmung gegenüber früher erheblich schneller von statten geht und bei schlechtem Empfang auch schneller andere Satelliten zur Berechung herangezogen werden können. Der eigentliche Vorteil des eTrex Vista ist neben seiner Handygröße, dass Kartenmaterial am PC bearbeitet werden kann, Wegepunkte und Routen sehr bequem am PC zusammengestellt und auf das Gerät übertragen werden können (natürlich kann das Gerät weit mehr, z.B. Straßennavigation mit Funktionen wie bei bekannten KFZ-Navigationssystemen, ein kompletter Stadtführer mit Points of Interests können mittels Software übertragen werden und das kleine Gerät ist somit extrem Leistungsfähig). Als Grundlage können z.B. die TOP 50 Karten der Landesvermessungsämter dienen. Für das Wanderreiten sind die 1:25000 Karten zwar empfehlenswert, aber auch nicht gerade günstig. Herausgegeben wurden die ersten TOP 25 CD-ROM von Baden-Württemberg. Der Preis liegt bei stolzen 99€ für die 2 CD's. Die TOP 50 Karten sind jedoch als ausreichend einzustufen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann sich für sein Gebiet noch eine TOP 25 Karte in Papierformat zulegen.
Wie das ganze aussieht, sieht man hier:

Mit freundlicher Genehmigung durch das Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz www.lvermgeo.rlp.de
Grundlage der abgebildeten Karte war die TOP 50 Rheinland-Pfalz CD-ROM. Start unseres Tagesrittes zum Testen war der 10.05.2002 um 10.30 Uhr im benachbarten Elsass. Wir haben zwischen Weiler und Germanshof mit unserem Gespann geparkt, die Pferde gesattelt und uns auf den Weg gemacht (Punkt 1). Auf der Karte ist die rote Linie die ursprünglich am PC festgelegte und in das eTrex Vista abgelegte Route. Blau ist die tatsächliche Kursaufzeichnung und im nachhinein auf den PC zurück übertragen. Die erste Überraschung, die wir erlebten, war bei Punkt 2. Der in der Karte eingezeichnete Weg existierte schlicht und einfach nicht mehr (das Kartenmaterial ist von 1999!). Ein Bauer hatte am Waldanfang eine Wiese eingezäunt. Da wir keine Springpferde haben, war der geplante Weg nicht erreichbar. Ein Umreiten der Koppel war auch nicht möglich. Den Versuch sieht man als kurzen blauen Stich. Auch dieser Weg endete vor einer steilen Felswand, die wir unmöglich erklimmen konnten. Also wieder 300 m bergab und den Parallelweg hoch. Dieser war extrem steil und die Pferde mussten dann gleich mal 200 Höhenmeter überwinden. Der weiter geplante Weg bei Punkt 3 (zur Erinnerung, rote Linie) konnte nicht geritten werden, da er mit umgestürzten Bäume voll lag. Also wurde wieder der Parallelweg einige Meter höher genommen. Die Pferde wurden hier geprüft, da das letzte Stück extrem steil war. Das eTrex Vista wies uns einwandfrei und ohne Probleme aus dem Nirwana. Endlich waren wir auf der geplanten Route und wie im Navigationssystem des KFZ wurden wir gelotst. Die Präzision hierbei schon mehr als erstaunlich. Abweichungen hierbei sind wirklich auf schlampige Arbeit am PC bei der Vorarbeit zurückzuführen. Jegliche Abweichungen vom Kurs, wie z.B. Punkt 4, da sind wir ein Plateau entlang um die wunderbare Aussicht von ca. 300 m Höhe über NN zu genießen, wurden aufgezeichnet. Unseren Mittagsrastplatz (Punkt 5) erreichten wir wie geplant um 12.30 Uhr am Col du Pigeonnier in Höhe 432 m über NN. Da das Wetter sich zunehmend verschlechterte und die Pferde doch sichtlich müde waren, wurde der ursprüngliche Plan umgeschmissen und das eTrex Vista von nun an als Kompass eingesetzt (es hat im übrigen von Hause aus einen elektronischen Kompass und einen barometrischen Höhenmesser auch ohne Satellitenempfang). Der Abstieg von 432 m war extrem steil und ich wollte mein Pferd Cora in Livewest Under Seat umtaufen. Die Trittsicherheit ist einfach enorm. Der Quarter meisterte die Strecke ebenfalls mit Bravour, aber noch lange nicht so sicher und geschickt wie Cora das tat. Absätze von 2 m ist sie ganz einfach runtergerutscht, ohne irgendwie ein Gedanke daran zu verschwenden. Timmy stand zunächst wie angewurzelt da und hat sich wohl Gedanken gemacht, was anstrengender ist. 200 Höhenmeter nach oben oder auch mal die Rutsche probieren. Der Abstieg war anstrengend und abenteuerlich zu gleich. Die Wege sehr schmal. Normalerweise bewegen wir uns nicht auf solchen extremen Wegen, aber in diesem Gebiet war kaum eine andere Möglichkeit. Im Tal angekommen, ritten wir durch den Ort Weiler zurück zu unserem Ausgangspunkt. Eine Wasserrinne, abgedeckt mit einem Rost, zwang mich zum Absteigen und drüberführen, da weder mein zuvor sehr mutiges Pferd, noch Timmy freiwillig einen Schritt drüber machen wollten. Der Wegezähler im Garmin gab am Gespann angekommen 12,14 km Reitstrecke an. Das Höhenprofil war interessant anzusehen. Die auf der Karte sichtbare gestrichelte blaue Linie war die Zeit ohne Satellitenempfang. Da muss ich auch gestehen, wurde das Garmin in die Packtasche vom Pferd verbannt und konnte schlichtweg keinen Empfang haben. Alles in allem kann ich das Gerät wärmstens empfehlen.
Das Garmin Etrex Vista musste einem Garmin GPSmap 60 CS weichen. Es ist ein Direktimport aus den USA mit USA Basemap und knapp 50 % günstiger als in Europa. Wenn man von vorneherein weiß, dass man die Feindaten der Mapsource Karten in das Gerät lädt, dann kann ich diesen Weg nur empfehlen. In Europa sind diese Geräte völlig überteuert. Das 60 CS ist dem Zahn der Zeit entsprechend schneller und komfortabler. Die Anzeige ist nun in Farbe und um einiges größer als beim Vista. In Kombination mit den Topographischen Karten von Garmin ersetzt es fast die Papierkarten. Diese Vektorkarten können erstmalig als vollwertige Karten in das Gerät geladen werden (das geht beim Vista natürlich auch, und mittlerweile mit dem Vista C sogar in Farbe). Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Beta Firmware ist die Firmware nahezu ausgereift. Das 60 CS bietet ungeahnte Möglichkeiten. Das Display ist in jeder Situation, sogar bei vollem Sonnenschein, durch die Trasflexiv-Technik, sehr gut ablesbar.
Das Garmin GPSmap 60 CS wurde im Frühjahr 2006 gegen das neuere Garmin 60 CSx Modell ausgetauscht. Es ist wieder ein Direktimport aus den USA. Wie man die deutsche Basemap auf das Gerät bringt, erfährt man unter Google. Somit ist das Gerät den in Deutschland doppelt so teuer verkauften Geräten ebenbürtig. Das 60 CSx verfügt über einen SIRFIII Empfänger und ist somit bei der Bestimmung der Koordinaten um mindestens 70% schneller und auch bei extrem schlechtem Satellitensignal hat man recht schnell eine sichere Position bestimmt. Durch die neu hinzugekommene Möglichkeit die Daten und Karten auf einer austauschbaren Chipkarte zu speichern, ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten.
Zum Reiten ist das Gerät einfach genial. Im Einsatz hatten wir das Garmin 60 CSx in unserem Frankreichurlaub 2006 sowie auf diversen Ausritten in der Gegend und im Pfälzer Wald.